Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Leistungsorientierte Verpflichtungen1.6072.596
Pensionsähnliche Verpflichtungen102102
1.7092.698

Für die derzeitigen und früheren Mitarbeiter des Bertelsmann- Konzerns sowie für deren Hinterbliebene bestehen je nach den rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes unterschiedliche Formen der Altersversorgung. Die betriebliche Altersversorgung erfolgt sowohl beitrags- als auch leistungsorientiert.

Bei den beitragsorientierten Altersversorgungsplänen (Defined Contribution Plans) leistet das Unternehmen auf gesetzlicher, vertraglicher oder freiwilliger Basis Zahlungen an einen externen Fonds oder eine andere Versorgungseinrichtung. Mit Zahlung der Beträge bestehen für das Unternehmen keine weiteren Leistungsverpflichtungen, sodass keine Rückstellungen gebildet werden. Der Aufwand für beitragsorientierte Pläne betrug im Geschäftsjahr 50 Mio. € (Vj.: 40 Mio. €). Die im Geschäftsjahr 2015 gezahlten Arbeitgeberbeiträge an staatliche Rentenversicherungsträger belaufen sich auf 338 Mio. € (Vj.: 311 Mio. €).

Alle übrigen Altersversorgungspläne sind leistungsorientiert (Defined Benefit Plans). Die Verpflichtungen der US-Gesellschaften für die Krankheitskosten der Mitarbeiter nach deren Eintritt in den Ruhestand (Pläne für medizinische Versorgung) stellen ebenfalls leistungsorientierte Zusagen dar und sind in den bilanzierten Rückstellungen enthalten. Bei allen Altersversorgungsplänen ist zu unterscheiden, ob die Finanzierung über eine externe Anlage erfolgt oder nicht.

Bilanzierte Nettoschuld für leistungsorientierte Pläne  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Anwartschaftsbarwert rückstellungsfinanzierter Versorgungszusagen8401.905
Anwartschaftsbarwert extern finanzierter Versorgungszusagen3.1202.314
Summe der Anwartschaftsbarwerte der Versorgungszusagen3.9604.219
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens-2.365-1.624
Bilanzierte Nettoschuld1.5952.595
davon Pensionsrückstellungen1.6072.596
davon sonstige Vermögenswerte121

Im Geschäftsjahr und im Vorjahr hatte die Obergrenze nach IAS 19.64 keinen Einfluss auf das übrige kumulierte Eigenkapital.

Für diese leistungsorientierten Versorgungspläne werden Rückstellungen gebildet. Im Wesentlichen bestehen Festgehaltszusagen sowie Endgehaltspläne.

Leistungsorientierte Versorgungspläne  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Festgehaltspläne/Rentenbausteinsysteme2.1842.404
Endgehaltspläne1.1641.217
Karrieredurchschnittspläne374366
Sonstige Zusagen174166
Pläne für medizinische Versorgung6466
Anwartschaftsbarwert3.9604.219
davon Kapitalzusagen216213

Der Anwartschaftsbarwert und das Planvermögen teilen sich wie folgt auf die Regionen auf:

Aufteilung des Anwartschaftsbarwerts und des Planvermögens nach Regionen  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Deutschland3.0523.326
Großbritannien493478
USA216207
Übriges Europa176184
Sonstige Länder2324
Anwartschaftsbarwert3.9604.219
in Mio. €31.12.201531.12.2014
Deutschland1.6851.011
Großbritannien501451
USA123109
Übriges Europa4541
Sonstige Länder1112
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens2.3651.624

Die Verpflichtungen und das vorhandene Planvermögen der bestehenden Pensionspläne sind zum Teil demografischen, ökonomischen und rechtlichen Risiken ausgesetzt. Bei den demografischen Risiken handelt es sich insbesondere um das Langlebigkeitsrisiko der Rentenempfänger. Ökonomische Risiken beinhalten in diesem Sinne hauptsächlich unvorhersehbare Entwicklungen an den Kapitalmärkten und die damit verbundenen Wechselwirkungen auf das Planvermögen und die Pensionsverpflichtungen. Rechtliche Risiken können z. B. aus Beschränkungen bei der Vermögensanlage und Mindestdotierungsvorschriften resultieren. Um diese Risiken deutlich zu minimieren, ist 2004 eine konzernweite Pensionsleitlinie eingeführt worden. Demnach sind neue Pensionspläne grundsätzlich nur als beitragsorientierte Pläne zu konzipieren, sodass die Belastungen aus Versorgungszusagen jederzeit tragbar, kalkulierbar und transparent sind und für das Unternehmen keine unbeeinflussbaren Risiken entstehen. Zudem ist der Bertelsmann-Konzern bestrebt, insbesondere bestehende endgehaltsabhängige Pensionsverträge in trendunabhängige Bausteinsysteme und Kapitalzusagen zu überführen. Aufgrund dieser Maßnahmen entfallen die Verpflichtungen nahezu vollständig auf geschlossene Pläne.

Für den Bertelsmann-Konzern liegen Mindestdotierungsverpflichtungen bei den Plänen in den USA und Großbritannien vor. Der Pensionsplan in den USA unterliegt den Mindestfinanzierungsvereinbarungen gemäß dem „Employee Retirement Income Security Act of 1974“ (ERISA). Hierbei wird generell ein ausfinanzierter Pensionsplan angestrebt, sodass sich die jährlichen Beiträge zum Planvermögen – wie bei einem beitragsorientierten Plan – lediglich auf die in dem Jahr erdienten Pensionsansprüche der versicherten Arbeitnehmer beschränken. Liegt keine vollständige Deckung der Pensionsverpflichtungen durch Planvermögen vor, ist über diesen Beitrag hinaus ein weiterer Betrag dem Planvermögen zuzuführen, dessen Höhe eine Ausfinanzierung in einem Zeitraum von sieben Jahren gewährleistet. Die Pläne in Großbritannien unterliegen dem „Pensions Act 2004“, der bei jährlicher Überwachung vorsieht, in einem Dreijahresturnus die Ausfinanzierung des Pensionsplanes versicherungsmathematisch zu überprüfen und gegebenenfalls aufgetretene Defizite durch weiteres Zuführen von Planvermögen zu eliminieren. Über die in den USA und Großbritannien beschriebenen Mindestdotierungsvorschriften hinaus bestehen keine weiteren wesentlichen regulatorischen Bestimmungen.

Darüber hinaus war ein Konzernunternehmen bis zum 31. Dezember 2014 an einem Pensionsplan beteiligt, der gemeinschaftlich mit nicht verbundenen Unternehmen unterhalten wird (Multi-Employer Plan). Da die für eine Bilanzierung als leistungsorientierter Plan erforderlichen Informationen weder zeitgerecht noch in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, wurde dieser Versorgungsplan im Konzernabschluss entsprechend den Vorschriften für beitragsorientierte Pläne berücksichtigt. Im Geschäftsjahr 2015 ist der rückwirkende Austritt aus diesem gemeinschaftlichen Plan zum 1. Januar 2015 erklärt worden. Dabei soll die Verpflichtung durch eine Einmalzahlung abgelöst werden, für die bereits 2014 eine Rückstellung in Höhe von 16 Mio. € gebildet wurde. Die weiteren Verhandlungen zur Einigung der Austrittsmodalitäten wurden bisher noch nicht begonnen.

Die zu bildenden Rückstellungen werden nach IAS 19 ermittelt, ihre Bewertung erfolgt auf Basis von versicherungsmathematischen Gutachten. Die Höhe der Rückstellungen hängt von der Dienstzeit im Unternehmen sowie von den versorgungsrelevanten Bezügen ab. Die Berechnung der Rückstellungen erfolgt auf Basis des sogenannten Anwartschaftsbarwertverfahrens, das jedem Dienstjahr den entsprechenden erdienten Leistungsanspruch zuordnet und dadurch im Vergleich zum Teilwertverfahren steigenden Dienstzeitaufwand unterstellt. Für die Ermittlung des Barwerts der Pensionsverpflichtung ist dabei der zugrunde gelegte Rechnungszins von wesentlicher Bedeutung. Dieser basiert im Bertelsmann-Konzern auf dem „Mercer Yield Curve Approach“. Hierbei wird jeweils für die Eurozone, Großbritannien und die USA eine „Spot Rate Yield Curve“ auf Basis von hochwertigen Unternehmensanleihen erstellt. Um den Zeitwert des Geldes gemäß IAS 19.84 angemessen darzustellen, bleiben dabei in der Basis sowohl statistische Ausreißer, die in ihrer Risikoeinstufung deutlich höher oder niedriger liegen, als auch Anleihen, die zinsverzerrende Optionen besitzen, unberücksichtigt. Für die biometrischen Grundlagen werden in Deutschland wie im Vorjahr die Richttafeln 2005 G von Prof. Dr. Klaus Heubeck zugrunde gelegt.

Weitere signifikante versicherungsmathematische Annahmen werden wie folgt unterstellt:

Versicherungsmathematische Annahmen  

31.12.201531.12.2014
DeutschlandAuslandDeutschlandAusland
Abzinsungssatz2,58 %3,63 %1,98 %3,34 %
Gehaltstrend2,25 %3,26 %2,25 %3,73 %
Rententrend1,74 %1,70 %1,73 %1,70 %

Eine Erhöhung oder Verminderung der oben genannten Annahmen im Vergleich zu den tatsächlich verwendeten Annahmen hätte folgende Auswirkungen auf den Anwartschaftsbarwert zum 31.12.2015 gehabt:

Auswirkungen der versicherungsmathematischen Annahmen  

in Mio. €ErhöhungVerminderung
Effekt der Veränderung des Abzinsungssatzes um 0,5 Prozentpunkte-303341
Effekt der Veränderung des Gehaltstrends um 0,5 Prozentpunkte44-39
Effekt der Veränderung des Rententrends um 0,5 Prozentpunkte152-136
Effekt der Veränderung der durchschnittlichen Lebenserwartung um ein Jahr127-127

Um die Sensitivität der Langlebigkeit zu bestimmen, wurden die Sterblichkeitsraten für alle Begünstigten gleichmäßig so reduziert bzw. erhöht, dass sich die Lebenserwartung einer Person in einem landestypischen Rentenzugangsalter um ein Jahr erhöht oder vermindert.

Der Anwartschaftsbarwert und das Planvermögen haben sich wie folgt entwickelt:

Entwicklung des Anwartschaftsbarwerts und des Planvermögens  

in Mio. €20152014
Anwartschaftsbarwert am 1.1.4.2193.272
Laufender Dienstzeitaufwand7861
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand1-7
Zinsaufwand97123
Versicherungsmathematische Gewinne (-) und Verluste (+)
– aus der Änderung finanzieller Annahmen-316833
– aus der Änderung demografischer Annahmen-1218
– erfahrungsbedingte Berichtigungen-29-13
Gewinne (-) bzw. Verluste (+) aus Abgeltungen1
Zahlungswirksame Effekte aus Abgeltungen-7
Pensionszahlungen durch den Arbeitgeber-112-109
Beiträge der Arbeitnehmer zum Planvermögen54
Pensionszahlungen aus dem Planvermögen-25-19
Veränderung des Konsolidierungskreises-2-31
Währungseffekte5853
Sonstige Veränderungen-240
Anwartschaftsbarwert am 31.12.3.9604.219
 
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens am 1.1.1.6241.449
Zinsertrag4459
Neubewertungskomponente-745
Abgeltungen-5-7
Beiträge des Arbeitgebers68935
Beiträge der Arbeitnehmer54
Pensionszahlungen aus dem Planvermögen-25-19
Veränderung des Konsolidierungskreises-2
Währungseffekte4541
Sonstige Veränderungen-317
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens am 31.12.2.3651.624
 
Finanzierungsstatus1.5952.595

Von den Beiträgen zum Planvermögen entfallen 653 Mio. € (Vj.: 11 Mio. €) auf Deutschland. Im nächsten Geschäftsjahr werden sich die Arbeitgeberbeiträge zum Planvermögen voraussichtlich auf 28 Mio. € belaufen.

Die im Inland bestehenden Erstattungsansprüche für leistungsorientierte Verpflichtungen in Höhe von 21 Mio. € (Vj.: 22 Mio. €) betreffen im Wesentlichen Rückdeckungsversicherungen, die nicht an die Versorgungsberechtigten verpfändet sind. Erstattungsansprüche werden in der Bilanzposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen“ ausgewiesen.

Von den Aufwendungen aus leistungsorientierten Plänen in Höhe von 132 Mio. € (Vj.: 119 Mio. €) wurden 79 Mio. € (Vj.: 55 Mio. €) in der Position „Personalaufwand“ sowie 53 Mio. € (Vj.: 64 Mio. €) in den Positionen „Übrige finanzielle Aufwendungen“ und „Übrige finanzielle Erträge“ erfasst. Der im Personalaufwand enthaltene nachzuverrechnende Dienstzeitaufwand und die Verluste aus Abgeltungen belaufen sich auf 1 Mio. €. Die im Vorjahr erfassten -6 Mio. € waren vor allem bedingt durch Kürzungen der Pläne für medizinische Versorgung bei Be Printers USA. Der Aufwand setzt sich folgendermaßen zusammen:

Aufwand aus leistungsorientierten Plänen  

in Mio. €20152014
Laufender Dienstzeitaufwand7861
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand und Auswirkungen von Abgeltungen1-6
Nettozinsaufwand5364
Nettopensionsaufwand132119

Die Portfoliostruktur des Planvermögens stellt sich wie folgt dar:

Portfoliostruktur des Planvermögens  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Eigenkapitalinstrumente1)653492
Schuldinstrumente1)903903
Sonstige Wertpapierfonds9191
Qualifizierte Versicherungspolicen117117
Liquide Mittel1414
Immobilien66
Derivative-2-2
Sonstiges33
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens2.3651.624

Alle Planvermögen im Bertelsmann-Konzern dienen ausschließlich der Erfüllung der Leistungsverpflichtungen. Um eine Risikokonzentration zu vermeiden, wird das Planvermögen in verschiedene Anlageklassen investiert. Das größte Planvermögen wird durch den Bertelsmann Pension Trust e. V. treuhänderisch im Rahmen eines Contractual Trust Arrangement (CTA) für Pensionszusagen der Bertelsmann SE & Co. KGaA und einige der deutschen Tochterunternehmen verwaltet. Für das CTA besteht keine Dotierungsverpflichtung. In der Berichtsperiode erfolgte eine freiwillige Einzahlung in Höhe von 650 Mio. € in das Planvermögen. Die Anlage des Treuhandvermögens erfolgt entsprechend der Anlagerichtlinie des Treugebers als langfristig orientierter Total-Return-Ansatz. Diesem liegt die Zielsetzung zugrunde, mittels strategischer Asset-Allokation einen langfristig angemessenen Ertrag unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen und/oder Krisen zu erwirtschaften. Verantwortet wird die Kapitalanlage durch den Vorstand des Pension Trust, der den Treugeber regelmäßig über den Status und die Entwicklung des Pensionsvermögens unterrichtet.

Die Entwicklung der bilanzierten Nettoschuld stellt sich wie folgt dar:

Entwicklung der bilanzierten Nettoschuld  

in Mio. €20152014
Bilanzierte Nettoschuld am 1.1.2.5951.823
Nettopensionsaufwand132119
Neubewertungskomponente leistungsorientierter Versorgungspläne-350793
Pensionszahlungen-112-109
Beiträge zum Planvermögen-689-35
Veränderung des Konsolidierungskreises-31
Währungskursveränderung1312
Sonstige Effekte623
Bilanzierte Nettoschuld am 31.12.1.5952.595

Die gewichtete durchschnittliche Duration der Pensionsverpflichtungen beläuft sich zum 31. Dezember 2015 auf 17 Jahre (Vj.: 17 Jahre). Das Fälligkeitsprofil der erwarteten undiskontierten Pensionszahlungen ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Fälligkeitsprofil der Pensionszahlungen  

in Mio. €2015
Zahlungen fällig in
Unter einem Jahr144
1 bis unter 2 Jahren144
2 bis unter 3 Jahren153
3 bis unter 4 Jahren158
4 bis unter 5 Jahren165
5 bis unter 10 Jahren872

Die pensionsähnlichen Verpflichtungen betreffen Rückstellungen für Dienstjubiläen, noch nicht abgeführte Beträge zu beitragsorientierten Plänen und Abfertigungen. Abfertigungen werden beim Ausscheiden des Mitarbeiters aus dem Unternehmen gezahlt und beruhen auf gesetzlichen Verpflichtungen, vorwiegend in Italien und Österreich. Rückstellungen für Jubiläumszahlungen und Abfertigungen werden analog zu den Verpflichtungen aus leistungsorientierten Plänen ermittelt, allerdings werden versicherungsmathematische Gewinne und Verluste ergebniswirksam erfasst. Arbeitnehmer in Deutschland, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen, können ihr Arbeitsverhältnis in ein Altersteilzeitarbeitsverhältnis umwandeln. Das Altersteilzeitarbeitsverhältnis dauert zwischen zwei und fünf Jahren.

Die Aufteilungen der pensionsähnlichen Verpflichtungen können der folgenden Tabelle entnommen werden:

Aufteilungen der pensionsähnlichen Verpflichtungen  

in Mio. €31.12.201531.12.2014
Rückstellungen für Altersteilzeit3538
Rückstellungen für Abfertigungen3532
Jubiläumsrückstellungen2828
Sonstige44
Pensionsähnliche Verpflichtungen102102